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1848 - Das Revolutionsjahr: Demokratische Bewegung in Cochem

Das Jahr 1848 begann mit anhaltend strenger Kälte, sodaß die Vorräte an Steinkohle allzubald zur Neige gingen. Die Mosel war zugefroren, Lebensmittel und neues Heizmaterial konnten nicht geliefert werden. Die hilflosen Behörden mußten tatenlos zusehen, wie die Holzdiebstähle zunahmen und die Holzbestände der Cochemer Waldungen immer mehr dem Erdboden gleichgemacht wurden. Die allgemeine Not veranlaßte damals viele Bürger aus dem armen Cochem in die Vereinigten Staaten von Amerika auszuwandern. In Frankfurt am Main trat zunächst das Vorparlament zusammen und schließlich am 18. Mai 1848 die Frankfurter Nationalversammlung. Der Heimatforscher Wilhelm Neuendorf hat zur Jahrhundertfeier der Märzrevolution im Jahre 1948 der »demokratischen Bewegung von 1848 in Cochem« ein Büchlein gewidmet. Es wird darin deutlich, daß die Cochemer so waren, wie sie sind, und daß selbst »Revolutionen« bei ihnen zur besonderen Eigenheit (liebevoll auch »Stückelchen« genannt) werden. Wie in der Schrift Neuendorfs nachzulesen ist, fand die Demokratiebewegung auch in Cochem begeisterte Anhänger.

Am 17. März 1848 verkündete König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die Pressefreiheit. Die Begeisterung darüber war in Cochem groß, unter den Klängen der Stadtkapelle zog man durch die Stadt, um an der Mosel Freiheitsbäume, mit schwarz-rot-goldenen Bannern geschmückt, aufzustellen.

Doch Historie sieht in Cochem gelegentlich anders aus als in den Geschichtsbüchern. So behaupteten die Cochemer, die Revolution habe nicht etwa am 18. März 1848 in Berlin, sondern bereits am 16. Januar auf der Sehler Kirmes begonnen: - Eine handfeste Rauferei führte zu einer Besetzung des Tanzlokales durch die Cochemer Burschen, weshalb die Sehler mit alten Glocken »Sturm« läuteten und die Gastwirtschaft bewaffnet belagerten. Die Cochemer »Besatzung« geriet in Bedrängnis, als mit einem Cochemer »Entsatzheer« auch der von der hilflosen Polizei herbeigerufene Landrat Schönberger (wie später König Wilhelm auf den Berliner Barrikaden) in der Gardeuniform eines preußischen Reserveoffiziers erschien. Sein energisches Dazwischentreten konnte den Streit beenden und bewirkte für die Cochemer Partei einen freien und ehrenhaften Abzug.

Einige in diesem »Kampf« gestählten junge Leute gründeten bereits zwei Tage nach Ausbruch der Revolution in Berlin einen Cochemer Schützenverein als

»Träger liberaler und fortschrittlicher Gesinnung«

unter der Führung von Josef Görres, J. Dalmar jun., Jakob Himmen und Hugo Keiffenheim, dem Sohn des damaligen Cochemer Bürgermeisters. Diese Gruppe stand politisch den »Radikalen« um Hecker und Struve nahe, die zu dieser Zeit die Demokratiebewegung vor allem im Süddeutschen brodeln ließen. Als in der Gründungsversammlung der Cochemer Schützen mit manchem Schoppen auch manches »Hoch« auf die Revolution ausgebracht worden war, kam ein Cochemer Jung auf einen höchst revolutionären Gedanken: »Wir Bürgerlichen,« rief er, »haben keine Wappen, also brauchen die Adeligen auch keine; darum herunter mit dem Stück alten Eisen von dem Winneburger Schloß!« (Man muß wissen, daß Fürst Metternich, der gerade vor der Revolution aus Wien geflohen war und als Symbolfigur für finsterste Reaktion galt, 1832 die Trümmer der Winneburg als sentimentale Erinnerung an das hier ansässige Geschlecht derer von Winneburg- Metternich-Beilstein gekauft hatte und am Burgtor sein Wappen hatte anbringen lassen.) Die ganze Versammlung begrüßte begeistert diesen revolutionären Einfall. Gesagt - getan, spornstreichs zog man zur Winneburg und riß das Wappen von dem Mauerwerk herab. Unter Vorantritt der Musikkapelle, unter Gelächter und dem Absingen von Kampfliedern trug man das Wappen durch die Stadt. An der Mosel machte der Zug halt und warf das Zeichen der Reaktion auf einen Misthaufen.
 





Hecker und Struve, hier in einer zeitgenös sischen Darstellung, fanden auch unter den Cochemer »Revolutionären« ihre Anhänger.
 
 
 

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